Dienstag, 12. Dezember 2006
Spazierenge(h)danken

Als ich vor ein paar Wochen anfing, mit meinem Spatz spazieren zu gehen, fühlte sich das äußerst seltsam an. Ich mein, seltsam war schon die Zeit des Mutterschutzes. Als ich merkte, dass ich jetzt nicht mehr zu den Berufstätigen gehöre, die morgens in die Arbeit und abends nach Hause fahren, sondern dass ich tagsüber mit all den "nichtarbeitenden" Muttis mit Kindern unterwegs bin. Sehr befremdlich. Rein vom Image her wollte ich das nie. Ich war immer ein bisschen stolz darauf, arbeiten zu gehen und über die Ladenschlusszeiten zu schimpfen, weil man als Berufstätiger oft vor verschlossenen Türen steht ;o) Aber jetzt begann ich, dazuzugehören.

Die Steigerung der irrititerenden Gefühle war dann, als ich die ersten Ausfahrten mit dem Kinderwagen in unseren "Stadtpark" unternahm. Ich kenne diesen Park, war schon oft dort, bin regelmäßig nach der Arbeit durchgegangen. Aber jetzt war das anders. Ich fühlte mich auf den mir eigentlich bekannten Wegen wie eine Fremde in einer fremden Welt. Als würd ich einfach nicht dorthin gehören. Äußerst befremdlich.

Irgendwann beruhigte sich das. Ich bekam Routine und Sicherheit. Selbstsicherheit. Ja, ich bin eine Mami, die ihren Sohn spazierenfährt! Und dann kam ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Oder nein, eigentlich nur eine ganz normale Begegnung wie sie tagtäglich zu Hauf passieren. Nichts wirklich aufregendes. Aber ich werd sie so schnell nicht vergessen. Ich schob also so meinen Kinderwagen mit meinem ein paar Wochen alten Sohn durch den Park, als mir ein alter Mann so in den Siebzigern vielleicht entgegen kam. (Ich weiß gar nicht mehr, ob er nicht vielleicht sogar rüstig und auf dem Rad unterwegs war.) Er tat mir nichts, grüßte nicht oder sonstwas, er ging (oder fuhr) einfach nur seines Weges. Wir hatten nix miteinander zu tun. Aber ich hatte plötzlich ein seltsames Gefühl ob dieses riesigen Unterschiedes an Lebenszeit. Mein kleiner Wicht da im Wagen, gerade frisch geschlüpft und dieser alte Mann, der schon sooo viele Jahre auf dem Puckel hatte ... Äußerst faszinieredes und unvergessliches Gefühl, dieses Bewusstsein/-werden. Und unwiederbringlich. Ich schau immer mal wieder ältere Leute auf meinem Weg an, aber dieses Gefühl kommt nicht mehr hoch.

Witzig ist
immer wieder zu beobachten, wie andere Leute gerne in meinen Kinderwagen reinschauen würden, so wie ich in ihren, sich aber nicht trauen, genauso wie ich mich. Ich würd am liebsten in jeden reinschauen. Und ich würd am liebsten ein großes Schild an meinen dranmachen "Reinschauen erlaubt!" Denn ich hab nix dagegen und trau mich nur nicht, weil die anderen sich so komisch haben.

Was mich wundert
Ich bin ja nun seit Wochen täglich unterwegs. Zu wechselnden Zeiten, auf wechselnden Strecken. Aber aus dem geburtsvorbereitenden Schwimmkurs hier ist mir dabei nochimmer keine Mami begegnet ... Ich will doch nicht immer alleine gehen. Und da fragt man sich, wo gehen die denn mit ihren Zwergen raus? Oder gehen die gar nicht an die frische Luft? Naja, vielleicht treff ich ja jemanden bei der Rückbildung wieder.

Und dann noch
ist es schwierig mit dem Grüßen. Unser "Verwaltungsgebiet" ist vor ca. fünfeinhalb Jahren von der Gemeinde zur Stadt aufgestiegen. Und so übergangsphasig benehmen sich die Menschen hier. Die meisten gehen anonym wie inner Stadt an einem vorbei. Aber hin und wieder begegnet einem einer - meist ältere Herren - der noch grüßt wie aufm Dorf.
Ich für meinen Teil (als Zugezogene) hab nun aber so gar keine Ahnung, wann ich wen grüßen soll. Außer dass ich ggf. brav zurückgrüße. So wird es wohl auch bleiben.

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Grüßen
Städtisches Grüßverhalten ist bisweilen merkwürdig: Rund um den Pferdestall sind diverse Fuß- und Feldwege. Ohne Pferd grüßt mich da kein (unbekannter) Mensch, ganz selten auch nur die, die jeden Tag mit ihren Hunden dort spazieren gehen und man ja eigentlich vom Sehen her kennt; mit Pferd - egal ob an der Hand oder unterm Hintern - werde ich oft gegrüßt. Ich habe es aufgegeben mich davon irritieren zu lassen und darüber nachzudenken und grüße einfach nur zurück.

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Noch eine Theorie dazu
Je kleiner der Weg oder die Straße, desto öfter wird gegrüßt. Und, in die Offensive gehen! Die Leute sind z. T. scheints genauso unsicher wie unsereins. Heute eine Dame mit Hund und sichtlich unsicherem Blick. Ich ein Lächeln, dazu ein Grüß Gott und beides kam zurück :o)

Btw. ich glaub, ich hab mich hier vor einiger Zeit schon mal beschwert, dass in der Tiefgarage unserer drei-Häuser-zählenden Kleinwohnanlage nichtmal die Nachbarn der Nebenaufgänge freiwillig grüßen. Manchmal nichtmal antworten. ... Seltsames Volk.

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Blieben mir erspart, diese Erfahrungen. Ich wohn hier in der Pampa und wenn ich mein armes Kind mal an die Luft bringen kann, dann treff ich höchstens auf zwei alte Omis, die es brennend interessiert, wo wir denn wohl wohnen. Uns kennen sie ja noch gar nicht! Ah, in dem Haus neben *** (Name nie gehört), ah so! Na dann...

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