Donnerstag, 14. Oktober 2004
Erleuchtung - I

Erkenntnisse können mitunter ziemlich erschrecken unnd einiges an Verwirrung hervorrufen. Denn sie kommen hin und wieder sehr unerwartet. Aus dem Hinterhalt sozusagen. So wie heute nachmittag, nicht allzulang vor Feierabend. Als ich bei lunally einen Beitrag las und einem geposteten link zu einer intensiven Diskussion folgte. (Meine Leser dürfen gerne erst diesen Artikel hier zu Ende lesen. Ich fasse das wichtigste von dort zusammen.)

Eigentlich war der Anlass für beide eine erschreckende Situation beim Einkaufen, als sie mit ansehen mussten, wie Mütter überaus unmöglich weil extrem genervt mit ihren Kindern umgingen und man nicht so recht wusste, ob und wie man eingreifen sollte. Die Diskussion hatte zu diesem Zeitpunkt 45 sehr vielseitige Kommentare, welche z. T. auch vom eigentlichen Thema abschweiften. Und genau diese abschweifenden waren es, die mein Inneres in ein heftiges Chaos stürzten. Chaos aus Gefühlen und Gedankenfetzen. Gedankenfetzen, die sich weder greifen noch zu Ende denken ließen, da sie pausenlos, ununtebrochen aus den vielfältigsten Ecken von Herz, Verstand, Seele, Erinnerungen etc. hereinströmten, so dass gar keine Zeit blieb, auch nur einen wirklich einzufangen.

Es ging im Grunde um Erziehung, Liebe und Verständnis. Darum, wie unmöglich kalt und lieblos manche Eltern ihre Kinder behandeln. Aber auch darum, warum diese Eltern sich vielleicht so verhalten. Wie sie vielleicht selber erzogen wurden oder aufgewachsen sind. Darum, wie in früheren Generationen erzogen wurde. Darum, dass Methoden von Erziehung und Gehorsam aus früherer Zeit eben nur langsam und in mehreren Generationen, in kleinen Stücken abzubauen sind. Dass Kinder nicht nur Erziehung sondern auch Liebe und Zuwendung brauchen. Dass sie Individuen sind und mit ihren eigenen Anlagen gefördert werden sollten, anstatt ein Teilstück der Eltern zu sein, den diese nach ihren Vorstellungen formen können. Und es ging auch darum, dass diese Kinder, die von ihren Eltern emotional misshandelt werden, erstaunlich viel Verständnis für Mutter und Vater zeigen.

Und so dauerte es nicht lange, bis meine Gedanken bei meiner eigenen Erziehung anlangten. Dort, wo meine Mutter früher statt Wärme, Trost und Verständnis ausschließlich schmerzlich-kalte, kluge Worte und Logik zu bieten hatte. Uns (meiner Schwester und mir) war immer klar, dass unsere Mutter zu Hause nie Liebe bekommen hatte und von daher vermutlich nicht wusste, wie sie uns diese geben sollte. Aber weh tat es trotzdem.
Auch ahne ich seit einiger Zeit, dass ich möglicherweise im Säuglingsalter aus dem Verlangen nach Wärme und Liebe geschrien habe, jedoch stattdessen die Brust bekam.
Immer wieder taucht ein Filmtitel auf: "Hunger - Sehnsucht nach Liebe". In dem ging es zwar um Bulimie, aber ich denke, der passt auch auf andere Essstörungen.
Dazwischen mengt sich immer wieder der in seiner Spaßigkeit unpassende, aber durch seinen extremen Wahrheitsgehalt wiederum überaus passende Spruch: "Die beste Erziehung taugt nix! Die Kinder machen ihren Eltern sowieso alles nach."

Und weiter purzeln die Gedanken. Fröhlich munter durcheinander. Überschlagen sich. Denn plötzlich tauchte in der Diskussion ein Pendant zu unserer lang gekannten Logik auf: Nicht nur Liebe geben kann/muss/sollte man durch die Eltern lernen, sondern auch sich lieben zu lassen, geliebt zu werden! Man lernt nicht nur, wie Liebe gegeben wird, wenn man sie von den Eltern bekommt, sondern auch wie man Liebe nimmt. Wie es ist, geliebt zu werden. Wie es sich anfühlt. Wie man es annimmt.

Booom. Das saß.

Könnte das der Grund sein, weshalb ich diese meine Beziehung so führe, wie sie ist? Dass ich seit einem Dutzend Jahren mich damit zufrieden gebe, nicht voll und ganz, mit Haut und Haaren, so wie ich bin geliebt zu werden??? Weil ich es gar nicht anders kenne? Und vielleicht daher auch unterbewusst gar nicht anders will? Dass es mir vielleicht Angst machen würde, weil es eine völlllllig neue Erfahrung wäre mit der ich gar nicht umgehen könnte, wenn es anders wäre?
Und könnte das genauso der Grund dafür sein, dass auch meine Schwester nie den richtigen findet, weil sie dadurch unwissentlich nach dem f-/F-alschen sucht? (Ganz abgesehen davon, dass sie anscheinend wirklich das Ungeliebte Kind (weil vom falschen Mann) war bzw. immernoch ist.) Sie und ich, wir haben nicht viel gemeinsam. Aber wir haben beide jeder einst einen Mann davon gejagt, der uns abgöttisch liebte. Das würde ich auch heute genauso wieder tun. Denn ich lass mich nicht auf einen Sockel heben und wie eine Heilige mit Ja und Amen anbeten!

Das war noch nicht alles, aber reicht erstmal.
Daher: tbc. Vielleicht.

Bin auf jeden Fall mal gespannt, was ich heut Nacht träume. Ich bin allerdings guter Dinge, dass es durch das Niederschreiben hier deutlich weniger chaotisch wird.

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Schön, dass Du wieder da bist *freu*

Und... ich kann nicht viel zu sagen zu obigen Text, so gern ich auch möchte - bisschen sprachlos. Somit: toll geschrieben, klasse Gedanken und ich würde das meiste davon auch so sehen. Aber welch Gedankengang! Respekt.

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Aaaach, das war kein Gang
das war ein endloses Gepurzel ;o)))
Danke für die Wiedersehensfreude und

Gute Nacht :o)

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